Durch Weitsicht zum Erfolg

Joseph Rohrer
Präsident des Verwaltungsrates der Inselspital-Stiftung

Es ist besser, miteinander einen geplanten Wandel anzugehen, als vor einen radikalen Wandel gestellt zu werden.
«Es ist besser, miteinander einen geplanten Wandel anzugehen, als vor einen radikalen Wandel gestellt zu werden.»

Joseph Rohrer, Präsident des Verwaltungsrates der Inselspital-Stiftung

Die Insel Gruppe hat letztes Jahr einen Energieschub erfahren. Wir können in der Entwicklung unserer Gruppe und den Standorten auf ein erfolgreiches Jahr zurückschauen.
Der Start der Insel Gruppe nach dem Zusammenschluss von Inselspital und Spital Netz Bern erfolgte am 1. Januar. Der Neubeginn ist vollauf gelungen – dies auch dank der täglichen Arbeit der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, bei denen ich mich im Namen des gesamten Verwaltungsrates sehr herzlich bedanke.

Eine von Erfolg gekrönte Planung setzt einerseits Weitsicht voraus. Diese haben wir mit der erfolgreichen Positionierung unserer Gruppe in der hochspezialisierten Medizin bewiesen. Planen für die Zukunft stellt sich aber auch als grosse Herausforderung dar. Zu den vorhersehbaren Herausforderungen, die der Verwaltungsrat und die Geschäftsleitung zu meistern hatten, gehörte die Planung der Grossprojekte: Das neue Stadtspital, die Umsetzung des Masterplans, die Weiterentwicklung der universitären Medizin mit neuen Leistungsfeldern und der Ausbau des medizinischen Angebotes sowohl am Standort Stadt wie an den Landstandorten.

Das sich verändernde Umfeld hat uns aber auch vor nicht vorhersehbare Herausforderungen gestellt. So mussten wir im Berichtsjahr auch Rückschläge einstecken und zur Kenntnis nehmen, dass unsere Zeit sehr kurzlebig ist: Der Wandel ist heute eine spürbare tägliche Herausforderung. Und er vollzieht sich schneller, als ich mir dies je hätte vorstellen können. Einige Entwicklungen zeigen heute eine Realität, die ich so nicht erwartet hätte. Für uns heisst das, dass wir unsere Strategie und die getroffenen Massnahmen auch hinsichtlich der Marktentwicklung wieder überdenken müssen.

So hat uns zum Beispiel nicht nur das TarMed-Urteil des Bundesverwaltungsgerichts vor eine weitere Herausforderung gestellt, sondern auch die Tatsache, dass die an sich korrekt berechnete Baserate (Betrag, der für einen Fall vergütet wird) aufgrund von Quersubventionen durch andere Kantone zur Makulatur wurde. Das bedeutet, dass wir unsere Organisation und Tätigkeit einmal mehr neu planen müssen, um eine Kostendeckung bei gleichbleibendem Angebot und gleich hoher Qualität zu sichern.

Auch wenn ich die Gedankengänge der Versicherer verstehe und vielleicht ähnlich handeln würde: Die politische Entwicklung in der Tariffestsetzung des stationären Bereichs ist für uns gefährlich. Wenn die Politik bewusst querfinanziert, um die Baserate tief zu halten, dann wäre für mich als Versicherer diese von der Politik, zu Lasten des Steuerzahlers, quersubventionierte Baserate der Benchmark, den ich als Versicherer bei den Spitälern durchsetzen möchte und nicht die nach den rechtlichen Vorgaben berechnete und korrekte Baserate.
Unsere Wachstumsmöglichkeiten sind dank der medizinischen Innovation und der erbrachten Qualität sehr gut. Wollen wir unsere Pläne kurz und mittelfristig umsetzen, brauchen wir griffige Antworten auf das Problem der sinkenden Baserate. Darauf gibt es aber nur eine Antwort: Wir müssen die Effizienz schnell und tiefgreifend erhöhen, und dies bei gleichzeitiger Kostensenkung. Diese Notwendigkeit muss heute umgesetzt werden, denn morgen ist es zu spät. Der Wandel ist schneller als unser derzeitiges Agieren.

Wir alle, unser ganzes Unternehmen, sind diesem Wandel ausgesetzt. Deshalb müssen wir lernen, bei unseren strategischen Überlegungen und Entscheiden verschiedene Szenarien einzubauen, um proaktiv agieren zu können und eine positive und langfristige Entwicklung des Unternehmens sicherzustellen. Es ist besser, miteinander einen geplanten Wandel anzugehen, als vor einen radikalen Wandel gestellt zu werden. Wir müssen jetzt eigene Positionen aufgeben, um das gemeinsame Ziel eines erfolgreichen Universitätsspitals in einer erfolgreichen Insel Gruppe zu erreichen.

Gemeinsam können wir die Herausforderungen annehmen und positiv bewältigen. Das hat uns die Vergangenheit gezeigt. Und das stimmt mich sehr zuversichtlich.