Wenn der Darm Feriensouvenirs mitbringt


Antibiotikaresistente Bakterien sind ein globales Problem und führen auch in der Schweiz immer wieder zu Todesfällen. Um die Übertragung und Verbreitung dieser Bakterien zu verhindern, führt das Inselspital ein Ausland-Screening durch.

Multiresistente Bakterien sind Erreger, die nicht auf herkömmliche Antibiotika ansprechen. Spitäler sind mit dieser Situation besonders stark konfrontiert: Durch Hautverletzungen aufgrund eines Katheters oder einer Intubation können Bakterien ins Blut gelangen und dadurch eine sogenannte Spitalinfektion hervorrufen. Handelt es sich bei den Verursachern um multiresistente Bakterien und werden diese mit gängigen Antibiotika bekämpft, vermehren sie sich auf Kosten der übrigen. Dadurch verstärkt sich die Infektion und führt im schlimmsten Fall zum Tod. Bei 50 Prozent aller Patientinnen und Patienten, die an einer Blutvergiftung sterben, wurde diese durch multiresistente Bakterien hervorgerufen. Bei nichtresistenten Erregern endet der Krankheitsverlauf nur in fünf bis zehn Prozent aller Fälle tödlich.

Ferienreisen mit Tücken
Die Infektion selbst entsteht zwar mitunter erst im Spital, doch die multiresistenten Bakterien bringen meist die Patientinnen und Patienten mit. Sie erwerben diese in Ländern wie Indien, in denen Antibiotika übermässig und unsachgerecht eingesetzt werden. «Nur ungefähr ein bis zwei Prozent aller Personen, die nach Indien reisen, haben multiresistente Bakterien im Darm. Doch nach der Rückkehr sind solche Bakterien bei 80 Prozent dieser Personen zu finden», sagt Prof. Dr. med. Hansjakob Furrer, Klinikdirektor und Chefarzt der Universitätsklinik für Infektiologie. Die multiresistenten Bakterien können während einer Ferienreise über Nahrungsmittel und Getränke oder über die Haut in den Körper gelangen. Das Risiko einer Übertragung steigt, falls man während der Ferien hospitalisiert werden muss. 

Bei gesunden Menschen harmonisiert sich die Darmflora spätestens innert eines Jahres nach der Rückkehr, die multiresistenten Bakterien können dann wieder verschwinden. Wer mit Antibiotika behandelt wird, trägt diese Art von Bakterien jedoch deutlich länger in sich.

Screening aller repatriierten Patientinnen und Patienten
Für Spitäler ist es wichtig, Patientinnen und Patienten mit multiresistenten Bakterien möglichst vollständig und früh zu erkennen. Zum einen muss verhindert werden, dass sich diese Bakterien verbreiten und in der Folge bei geschwächten Patientinnen und Patienten schwerwiegende Komplikationen auslösen. Zum andern benötigen Personen mit multiresistenten Bakterien im Falle einer Infektion spezielle Antibiotika. Das Inselspital nimmt zu diesem Zweck ein sogenanntes Ausland-Screening vor. Alle repatriierten Patientinnen und Patienten sowie all jene, die im letzten halben Jahr im Ausland hospitalisiert waren, werden seit 2011 auf multiresistente Bakterien geprüft. Von den ungefähr 300 getesteten Patienten pro Jahr weisen etwa 20 Prozent einen positiven Befund auf und werden falls nötig isoliert.

Antibiotika: nur so viel wie nötig
Das Erkennen multiresistenter Bakterien ist jedoch nur einer von vielen Ansätzen zur Bekämpfung von Antibiotikaresistenzen. Ein weiterer ist der richtige Einsatz von Antibiotika vor und nach Operationen, da eine übermässige Verschreibung die Bildung von Resistenzen begünstigt. PD Dr. med. Jonas Marschall, Leiter Spitalhygiene an der Universitätsklinik für Infektiologie, überwacht deshalb den Einsatz von Antibiotika in den einzelnen Kliniken. Das Inselspital trägt so seinen Teil dazu bei, dass sich Antibiotikaresistenzen in der Schweiz verlangsamt ausbreiten und dass schwerwiegende Fälle besser behandelt werden können. Damit unterstützt es die Nationale Strategie Antibiotikaresistenzen Schweiz (StAR). Sie wurde 2015 vom Bundesrat verabschiedet und gilt für die Human- und die Veterinärmedizin. Die Umsetzung begann 2016.