Momentaufnahme 20.10.2016: Niedrige Spitalinfektrate am Inselspital

Rund 7 von 100 Patientinnen und Patienten erleiden während ihres Aufenthaltes in einem Schweizer Spital eine Infektion. Im Inselspital ist die Rate der Spitalinfektionen mit 4,9 Prozent vergleichsweise tief. Damit dies so bleibt, engagiert sich die Insel Gruppe für die Spitalhygiene.

Spital- und Pflegeheiminfektionen – sogenannte nosokomiale oder healthcare-assoziierte Infektionen – sind weltweit ein Problem. Die häufigsten Arten sind Wundinfektionen, Lungenentzündungen, Harnwegsinfekte und Blutvergiftungen. Sie treten meist als Folge eines Fremdkörpers auf, etwa nach einer Intubation zur Beatmung oder dem Legen eines Venen- oder Blasenkatheters. In der Schweiz erkranken jährlich schätzungsweise 70 000 Personen bzw. 7 Prozent aller Patientinnen und Patienten in Akutspitälern an einer Spitalinfektion, rund 2 000 von ihnen sterben daran.

Ein Teil der Spitalinfektionen könnte mit besseren Hygienemassnahmen verhindert werden. Da unnötige Verschreibungen zur Bildung von Antibiotikaresistenzen beitragen, liesse sich die Anzahl der schweren Krankheitsverläufe durch eine sorgfältigere Behandlung mit Antibiotika reduzieren. Erkranken Patientinnen oder Patienten mit solchen multiresistenten Bakterien an einer Spitalinfektion, ist diese sehr schwierig zu behandeln und führt öfter zum Tod. Eine wichtige Rolle spielt deshalb das Erfassen und die Isolation aller Patientinnen und Patienten mit multiresistenten Bakterien, damit Letztere nicht übertragen werden.

Besseres Desinfektionsmittel
Im Wissen um die Bedeutung der Spitalhygiene und -epidemiologie, hat das Inselspital am 1. Juli 2016 Prof. Dr. med. Hansjakob Furrer zum Klinikdirektor und Chefarzt der Universitätsklinik für Infektiologie ernannt und ihn mit dem Aus- und Aufbau der Spitalhygiene in der gesamten Insel Gruppe beauftragt. Bereits 2013 holte Prof. Furrer als interimistischer Klinikleiter mit PD. Dr. med. Jonas Marschall einen international bekannten Fachmann für Spitalhygiene ins Team. 2011 wurde ein Screening für Patientinnen und Patienten eingeführt, bei denen ein erhöhter Verdacht auf die Existenz multiresistenter Bakterien besteht. Ist der Befund positiv, werden diese Patientinnen und Patienten isoliert. Zudem wurde 2016 eine gruppenweite Hygienekommission gebildet. Ein erster Erfolg ist die Verbesserung des gruppenweit eingesetzten Desinfektionsmittels für Oberflächen, das zum Beispiel in Operationssälen benutzt wird. In enger Zusammenarbeit mit dem Hersteller des Desinfektionsmittels erwirkte das Inselspital eine Veränderung der Rezeptur, sodass die Qualität des Produkts verbessert werden konnte.

Relativ tiefe Infektionsrate im Inselspital
In den nächsten Jahren sollen Richtlinien zur Überwachung und Bekämpfung von Spitalinfektionen erarbeitet werden. Zu diesem Zweck werden ab 2017 im Inselspital jährlich Querschnittsanalysen durchgeführt. Ab 2018 sollen an einem Stichtag pro Jahr die Spitalinfektionen der ganzen Insel Gruppe gemessen werden. Dies erfolgt auf Wunsch des Bundesamtes für Gesundheit (BAG). Es möchte, dass im Rahmen seiner Nationalen Strategie zur Überwachung, Verhütung und Bekämpfung von healthcare-assoziierten Infektionen (Strategie NOSO) in sämtlichen Spitälern die Infektionsrate erhoben wird.

Das Inselspital untersuchte bereits im Oktober 2016 in einer Pilot-Punktprävalenzstudie erstmals, wie viele seiner stationären Patientinnen und Patienten an einem bestimmten Tag von einem Spitalinfekt betroffen waren. Dabei zeigte sich, dass am Stichtag bei 4,9 Prozent der 649 hospitalisierten Personen ein Spitalinfekt vorlag. Insbesondere die sonst häufig auftretenden Harnwegsinfektionen waren am Stichtag selten. «Das Inselspital hatte in dieser Untersuchung im schweizweiten Vergleich eine tiefe Infektionsrate – und dies trotz einer grossen Anzahl hochkomplexer Krankheitsfälle, wie sie in einem Zentrumsspital üblich sind. Wenn sich diese tiefe Infektionshäufigkeit 2017 bestätigt, zeigt uns das, dass wir auf dem richtigen Weg sind», sagt Prof. Dr. med. Hansjakob Furrer.