Schweizweiter Effort für gesündere Harnwege

Das Inselspital setzt sich auch auf nationaler Ebene für die Reduktion von Spitalinfektionen ein. Es ist eines von sieben Pilotspitälern, die beim Pilotprogramm «progress! Sicherheit bei Blasenkathetern» mitmachen.

Harnwegsinfektionen infolge eines Blasenkatheters gehören zu den häufigsten Spitalinfektionen überhaupt: Ungefähr ein Viertel aller stationären Patientinnen und Patienten erhält einen Blasenkatheter, und bei einem Viertel von ihnen entwickelt sich in der Folge eine Harnwegsinfektion. Gemäss Studien liesse sich die Infektionsrate mit Präventionsmassnahmen um bis zu 65 Prozent senken.

«Seltener, kürzer, sicherer»
Die Stiftung Patientensicherheit Schweiz und Swissnoso (das Nationale Zentrum für Infektionsprävention) initiierten deshalb das Pilotprogramm «progress! Sicherheit bei Blasenkathetern». Unter dem Motto «seltener, kürzer, sicherer» stellten die beiden Organisationen ein Paket mit möglichen Präventionsmassnahmen zusammen. Es enthält eine Indikationsliste mit Kriterien und Kontraindikationen, damit Blasenkatheter nur noch jenen Patientinnen und Patienten gelegt werden, die ihn tatsächlich benötigen. Zweitens umfasst das Massnahmenpaket ein Erinnerungssystem. Es stellt sicher, dass bei Patientinnen und Patienten mit einem Blasenkatheter täglich überprüft wird, ob eine weiterlaufende Katheterisierung notwendig ist. Die dritte Massnahme sieht die Einführung von Standards für die korrekte Handhabung von Blasenkathetern vor. Damit lassen sich überdies Verletzungen der Harnröhre und der Blase vermeiden, die gerade bei Männern oft auftreten und zu Langzeitfolgen führen können. Im Herbst 2016 wurde das Massnahmenpaket den sieben Pilotspitälern zur Prüfung übergeben. Eines davon ist das Inselspital.

Programm mit Potenzial
Das Pilotprogramm sei vielversprechend, sagt PD Dr. med. Jonas Marschall, Leitung Spitalhygiene an der Universitätsklinik für Infektiologie: «Mit ‹progress! Sicherheit bei Blasenkathetern› untersuchen alle wichtigen Akteure erstmals überhaupt auf nationaler Ebene eine fremdkörperassoziierte Infektion.» Jonas Marschall ist gleich in zweifacher Hinsicht am Projekt beteiligt: Er vertritt nicht nur das Inselspital, sondern überprüft als Leiter Surveillance bei Swissnoso auch gesamtschweizerisch die Wirksamkeit der Präventionsmassnahmen. Sollte die Infektionsrate sinken, könnte «progress! Sicherheit bei Blasenkathetern» auch dazu beitragen, dass die Bildung von Antibiotikaresistenzen eingedämmt wird: Weniger Infektionen bedeutet weniger Antibiotikaverschreibungen, und damit auch weniger Resistenzen. 

Die Resultate des Pilotprogramms liegen 2018 vor.