Finanzkommentar

Zusammenschluss zur Insel Gruppe 
Per 1.1.2016 wurde der Zusammenschluss des Inselspitals und der Spitäler der Spital Netz Bern AG Realität. Der Spitalbetrieb ist neu in der Insel Gruppe AG zusammengefasst. Die Immobilien sind in den Ursprungsgesellschaften (InselspitalStiftung bzw. Spital Netz Bern AG) verblieben. Die Spital Netz Bern AG ist zudem zur Spital Netz Bern Immobilien AG umfirmiert worden. Die Inselspital-Stiftung ist mit 99,1% an der Insel Gruppe AG beteiligt. Der Kanton Bern hält einen Anteil von 0,9%. Die Inselspital-Stiftung gilt als Konzernmutter der Insel Gruppe.

Finanzielles Ergebnis
Im Geschäftsjahr 2016 wurde ein Konzerngewinn von CHF 21,2 Mio. erzielt. Darin enthalten ist die (Netto-) Erhöhung von Tarifrückstellungen im Umfang von CHF 5,6 Mio. Das Betriebsergebnis vor Abschreibungen (EBITDA) belief sich auf CHF 110,1 Mio. Dies entspricht einer EBITDAMarge von 6,9 %. Im Vorjahr wurde ein Konzernverlust von CHF 23,7 Mio. erzielt. Darin enthalten waren Tarifrückstellungen für die Jahre 2010–2015 in Sachen TARMED im Umfang von CHF 49,8 Mio. (Urteil des Bundesverwaltungsgerichts vom 17.09.2015). Bereinigt um die Effekte aus den Tarifrückstellungen bewegt sich das Konzernergebnis 2016 auf der Höhe des Konzernergebnisses 2015. Dies ist umso erfreulicher, als dass die externen Rahmenbedingungen für das Jahr 2016 erneut schwieriger wurden. Insbesondere der negative Katalogeffekt SwissDRG hat die Insel Gruppe im Jahr 2016 mit zusätzlich CHF 14 Mio. belastet. Der Katalogeffekt SwissDRG beschreibt die Veränderung der Bewertung des Schweregrads eines medizinischen Portfolios (Case Mix Index) von einer bisherigen SwissDRG Version (Version 4.0 für das Jahr 2015) zu einer neuen Version (Version 5.0 für das Jahr 2016). Seit mehreren Jahren sind die Schweizer Universitätsspitäler mit einer negativen Entwicklung konfrontiert. Die universitären Leistungen sind nach wie vor ungenügend im Tarifsystem abgebildet. Trotz dieser schwierigen Ausgangslage konnte ein positives Konzernergebnis erzielt werden. Auf der einen Seite ist dies auf das Wachstum zurück zu führen: die Insel Gruppe hat im Jahr 2016 1,4% mehr stationäre Fälle (SwissDRG) behandelt als im Vorjahr; die ambulanten Leistungen (TARMED) sind um 8,2% gestiegen. Auf der anderen Seite wurden Kosteneinsparungen im Sachaufwand realisiert. 


Tarifliche Situation
Für die Stadt- und Landspitäler konnte im Jahr 2016 in den Verhandlungen mit den Sozialversicherern eine tarifliche Einigung bezüglich der Baserate SwissDRG erzielt werden. Darin enthalten ist zudem die Klärung bisher noch offener Baserates für vergangene Perioden. Für das Inselspital konnte mit der Zentralstelle für Medizinaltarife der Sozialversicherungen UV/MV/IV (ZMT) für das Jahr 2016 eine universitäre Baserate von CHF 11 190 abgeschlossen werden. Mit den Krankenversicherern war erneut keine Einigung möglich. Seit der Einführung der neuen Spitalfinanzierung im Jahr 2012 stehen somit bereits fünf Jahre in einem tariflichen Risiko. Der wesentliche Streitpunkt betrifft weiterhin die unterschiedliche Berücksichtigung der Kosten für universitäre Lehre und Forschung. Die stationären Fälle 2016 des Inselspitals (SwissDRG) wurden den Krankenversicherern mit einer von der GEF provisorisch verfügten Baserate von CHF 11 000 in Rechnung gestellt. 5 Im ambulanten Bereich wird der Bundesrat die ambulante Tarifstruktur TARMED im Rahmen seiner subsidiären Kompetenz auf 2018 anpassen, weil sich die Tarifpartner in den letzten Jahren nicht auf eine Gesamtrevision einigen konnten. Es ist damit zu rechnen, dass die politisch gewünschte Abwertung der spezialisierten Leistungen und das Ziel der generellen Kostendämpfung im Gesundheitswesen einen negativen Effekt auf den Umsatz der Insel Gruppe haben werden. Die Notwendigkeit der infrastrukturellen Erneuerung, gepaart mit der schwierigen tariflichen Situation, sowohl ambulant als auch stationär, wird die Insel Gruppe weiterhin vor grosse Herausforderungen stellen.

Bilanz / Geldflussrechnung
Der operative Cashflow ist gegenüber dem Vorjahr um CHF 5,1 Mio. auf CHF 103,6 Mio. gestiegen. Trotz dieser Zunahme haben die flüssigen Mittel im Jahr 2016 um CHF 44,0 Mio. abgenommen. Dies ist auf die gestiegene Investitionstätigkeit zurück zu führen. Dabei sind u.a. die Bauaktivitäten im Zusammenhang mit dem Masterplan Inselspital (insbesondere Realisierung Organ- und Tumorzentrum) und die Erneuerung des Operationstrakts im Spital Aarberg zu erwähnen. Die Bilanzposition «Anlagen in Bau» erhöhte sich von CHF 123,5 Mio. im Jahr 2015 auf CHF 252,7 Mio. im Jahr 2016.

Ausblick
Die Insel Gruppe rechnet weiterhin mit einem moderaten Wachstum im stationären und einer Fortsetzung des Trends der Verlagerung in den ambulanten Bereich. Die positiven Wachstumsaussichten beruhen u.a. auf der Strategie der abgestuften Versorgung in der Insel Gruppe (Grundversorgung bis Hochspezialisierte Medizin), welche im Markt ein wichtiges Alleinstellungsmerkmal darstellt. Im stationären Bereich ist im 2017 mit einer Einigung oder einer definitiven Festsetzung bezüglich der universitären Baserate SwissDRG KVG (rückwirkend ab 2012) zu rechnen. Im Falle einer Beschwerde durch einen oder mehrere Tarifpartner würde dies zu einem Verfahren vor Bundesverwaltungsgericht führen. Die stationären Umsätze ab 2012 wären damit weiterhin mit Unsicherheit behaftet.