Orthoptik – unbekannter Beruf im Fokus
Jahresbericht

Orthoptik – unbekannter Beruf im Fokus

In der Insel Gruppe sind sehr viele Fachpersonen tätig. Deren Berufe sind nicht alle gleich bekannt. Was ist eine Orthoptistin?

Die Medizin hat Martina Ramseyer (geb. 1983) schon immer interessiert. Die einzelnen Puzzleteile zu einem Ganzen zusammenzusetzen und die einzelnen Symptome einer Patientin bzw. eines Patienten zu analysieren – das faszinierte sie und spornte sie an. Dass sich ihre berufliche Welt einmal hauptsächlich ums Auge drehen würde, überraschte sie dann doch. Seit nunmehr elf Jahren ist sie im Inselspital als Orthoptistin tätig. Auf diesen Beruf kam Martina Ramseyer wie viele nur durch einen Zufall, nämlich über einen Zeitungsartikel, in dem für die Ausbildung geworben wurde. Martina Ramseyer meldete sich für ein Berufswahlpraktikum an und begann die Ausbildung.

Dipl. Orthoptistinnen HF und Dipl. Orthoptisten HF sind medizinisch-therapeutische Fachpersonen mit einem dreijährigen Studium an einer Höheren Fachschule. Die Orthoptik ist ein Bereich der Augenheilkunde und beschäftigt sich mit der Prävention, Diagnostik, Therapie und Rehabilitation von Schielerkrankungen, Sehschwächen, Augenzittern und Augenbewegungsstörungen. Hier untersucht Martina Ramseyer zusammen mit acht weiteren Kolleginnen, den Augenärztinnen und -ärzten sowie Neurologinnen und Neurologen grosse und kleine Patienten. Entdeckt sie bei

Kindern eine Sehschwäche, behandelt sie diese unter anderem mittels Brillenverordnung und/oder Abdecktherapie. Erwachsene Patientinnen und Patienten, bei denen ein Schielen entstanden ist, leiden oft an störenden Doppelbildern. Nicht selten stellt sich dann bei den Abklärungen heraus, dass eine zum Teil schwerwiegende Grunderkrankung vorliegt. Deshalb ist eine hohe Sozialkompetenz von entscheidender Bedeutung. Immer wieder erleben die Orthoptistinnen das Schicksal ihrer Patienten oder ihres Patienten mit, zumal manche ihre Patientinnen und Patienten – vor allem die kleinen – zum Teil über Jahre von ihnen betreut werden. Vertrauen und Fachkompetenz sind hier eminent wichtig.

Die orthoptische Abteilung der Augenklinik des Inselspitals Bern ist eine der grössten ihrer Art in der Schweiz. Die Abteilung pflegt eine gute interdisziplinäre Zusammenarbeit mit allen Fachbereichen der Medizin innerhalb und ausserhalb des Inselspitals, aber auch mit Optikerinnen und Optometristen. Die Orthoptistinnen und Orthoptisten untersuchen selbstständig im Auftrag der Ärzte Patientinnen und Patienten, stellen eine orthoptische Diagnose und legen bei Bedarf eine entsprechende Therapie fest. Manuelles und technisches Geschick, analytisches Denken sowie eine ausgeprägte Beobachtungsgabe sind Grundvoraussetzung für das Berufsfeld Orthoptik.

Ausbildung

  • dreijährige Ausbildung und Diplom in Orthoptik (HF)
  • Schule (Zentrum für Ausbildung im Gesundheitswesen [ZAG], Winterthur) und Praktikum (Inselspital Bern) im Wechsel in Form von mehrwöchigen Blöcken

Voraussetzungen

  • Dreijährige berufliche Grundbildung mit eidgenössischem Fähigkeitszeugnis und/oder allgemeinbildender Abschluss (DMS/FMS oder Matura)
  • sehr gute Deutschkenntnisse in Wort und Schrift, Französisch- und Englischkenntnisse von Vorteil
  • bestandene Eignungsabklärung

Perspektiven

Nach erfolgreich abgeschlossenem Studium der Orthoptik (HF) ist die Orthoptistin/der Orthoptist eine sehr gefragte Fachkraft. Anstellungen in privaten Augenarztpraxen, Augen- oder Rehabilitationskliniken sind je nach eigenem Interesse möglich. Auch bei Beratungsstellen für Sehbehinderte oder im schulärztlichen Dienst werden Orthoptistinnen/Orthoptisten angestellt.

Links

Zentrum für Ausbildung im Gesundheitswesen [ZAG], Winterthur
Berufsverband der Orthoptistinnen und Orthoptisten