Minergie-P-Eco
Jahresbericht

Minergie-P-Eco Zertifikat des Baubereichs 12 am Inselspital

Auf dem Baubereich 12 des Inselareals entsteht über die nächsten Jahre der Neubau für das Schweizerische Herz- und Gefässzentrum und verschiedene Fachkliniken. Es wird das grösste Minergie-P-ECO Spitalgebäude in der Schweiz sein und maximale Ansprüche an Qualität, Komfort und Energie erfüllen.

Minergie ist ein Schweizer Baustandard, der breite Akzeptanz geniesst. Der Zusatz «P» bezeichnet Niedrigstenergie-Bauten, die strengere Anforderungen an den Endenergiebedarf erfüllen müssen als Minergie-Bauten. Der Zusatz «ECO» ergänzt den Minergie-Standard mit den Themen Gesundheit und Bauökologie und befasst sich unter anderem mit den Aspekten Tageslicht, Innenraumklima, Graue Energie, Schadstofffreiheit und nachhaltiges Gebäudekonzept. Das Ziel ist es, für die Nutzer der Gebäude (z.B. Patienten, Besucher und Mitarbeiter) eine Atmosphäre zu schaffen, die Wohnlichkeit ausstrahlt und gesundheitsfördernd ist. Gleichzeitig soll das Gebäude aber auch wirtschaftlich effizient und langfristig betrieben werden können.

Das Inselspital setzt mit dem Bau eines so grossen und technisch komplexen Minergie-P-Eco Spitalgebäudes in der Schweiz neue Massstäbe. Die Anforderungen an ein modernes Spitalgebäude dieser Grössenordnung sind sehr umfassend. In der Planung müssen immer wieder Kompromisse gefunden werden zwischen den Anforderungen von Nutzern, Patienten und Besuchern, sowie der Hygiene, der Gebäudetechnik, der Gestaltung und weiterer Beteiligter. Ein Spitalgebäude kann zudem nicht in der gleichen Weise gebaut werden wie ein Verwaltungsgebäude oder ein Wohnhaus, da die Anforderungen an die Layouts für optimal Prozesse, Materialisierung, Technik und die Flexibilität für zukünftige Entwicklungen in einem Spital höher sind. Der Neubau auf dem Baubereich 12 diente als Pilotprojekt, um das Minergie-P-ECO Label zusammen mit der Zertifizierungsstelle weiterzuentwickeln, so dass es auch für komplexe Spitalbauten anwendbar ist. Das Gebäude wird mit der angestrebten Energieeffizienz den aktuellen Stand der Technik bei weitem übertreffen. Die innovativen Lösungen, die Abwägung der verschiedenen Anforderungen bei der Planung und das klare Bekenntnis des Bauherrn zur Nachhaltigkeit werden über das Inselareal hinaus wahrgenommen. Regelmässig gibt es Anfragen anderer Bauherren, Planer und Firmen, die sich für das Projekt und das Vorgehen interessieren.

Das Erlangen des provisorischen Minergie-P-ECO Zertifikats für die Bauphase war nur in enger und intensiver Zusammenarbeit zwischen Bauherr, Planer und den Behörden möglich, ist andererseits aber auch eine Konsequenz der Vorgaben aus der neuen Überbauungsordnung des Inselareals.

In der Überbauungsordnung wird verlangt, dass sich alle neuen Gebäude auf dem Inselareal an den Vorgaben der 2000-Watt-Gesellschaft orientieren müssen (UeO, Abs. 6). Einen Spitalstandard für die 2000-Watt-Gesellschaft gibt es nach wie vor nicht. Es kann aber allgemein davon ausgegangen werden, dass die Anforderungen an ein Minergie-P-ECO-Gebäude den Vorgaben der 2000-Watt-Gesellschaft entsprechen. Die Minergie-Zertifizierungsstelle teilt diese Ansicht. Ein Minergie-P-ECO-Gebäude berücksichtigt sowohl die Betriebs- als auch die Grauenergie. Zusammen mit dem gegebenen Standort des Inselspitals Bern werden alle Energieflüsse, welche in der 2000-Watt-Gesellschaft bilanziert werden, erfasst.

Ein Bauprojekt dieser Grösse und Ausstrahlung bietet auch die Chance, der Baubranche neue Impulse zu geben für nachhaltiges und energieeffizientes Bauen. Beispielsweise kann das Inselspital als Bauherrin einen gewissen Druck auf die Lieferanten ausüben, ihre Baumaterialien ECO- und Minergie-konform prüfen und zertifizieren zu lassen. So kann das Inselspital einen Beitrag dazu leisten, dass in Zukunft noch viele weitere Spitalgebäude nach dem Minergie-P-ECO oder einem vergleichbaren Gebäudestandard gebaut werden.